Hast du dir jemals die Frage gestellt, was Heilung wirklich bedeutet und warum es so scheint, dass manche Menschen heilende Kräfte haben?

Hippokrates verstand den Fluss der Physis, der natürlichen Lebenskraft, die in jedem Menschen fließt, als „heilende Kraft“ oder „selbstregulierende Kraft“ im Körper, die – obwohl unwissend und ungebildet – das Richtige tue, um ein perfektes Gleichgewicht zu erhalten. Ruediger Dahlke beantwortete die Frage nach wahrer Heilung in seinem Buch – Medizin und Menschlichkeit – wie folgt : „Wenn wir alles berücksichtigen, von der körperlichen über die geistig-seelische bis zur spirituellen Dimension, im Hinblick auf die letzte Sinnsuche, bewegen wir uns tatsächlich in Richtung HEILKUNST.“

Mich hat in diesem Zusammenhang interessiert, in welcher Beziehung unsere Herzensenergie zu wahrer Heilkunst steht. Glücklicherweise bin ich dadurch auf einen interessanten Artikel aufmerksam geworden. In diesem Artikel hat sich Stéphane Espinosa mit der therapeutischen Rolle des Herzens auseinandergesetzt. Der Schwerpunkt liegt zwar auf die Behandlung durch Akupunktur jedoch entfaltet sich ein ganz neues Bild, über Heilung und der Magie, die in uns allen innewohnt…

Stéphane Espinosa – Die therapeutische Rolle des Herzens mit Schwerpunkt auf den praktizierenden Akupunkteur in der klassischen chinesischen und moderne Medizin

Eine kritische Literaturübersicht

Diese kritische Literaturübersicht konzentriert sich auf die therapeutische Rolle des Herzens mit Schwerpunkt auf den praktizierenden Akupunkteur.

In diesem Artikel werden relevante Beschreibungen der klassischen chinesischen Medizin vorgestellt. Insbesondere wird die angemessene Einstellung des Praktizierenden während der Behandlung besprochen, wobei die Wichtigkeit des Mitgefühls und die Klarheit der Absicht besondere Beachtung findet.

Daran schließt sich eine Beschreibung über die Rolle der Akupunkturnadel als energetische Verbindung mit dem Patienten. Parallelen wurden mit Ergebnissen der modernen Forschung identifiziert. Dies zeigt, dass positive Emotionen wie Mitgefühl zunehmend die Kohärenz des betreffenden elektromagnetischen Feldes des Herzens beeinflussen und damit zwischenmenschliche Effekte wie ein kardialer Energieaustausch und die Synchronisation von Herzfrequenzen und Herz-Hirn-Wellenmustern auslösen.

Die Bedeutung dieser Ergebnisse für die Begründung von eines patientenzentrierten Behandlungsansatzes wird hier diskutiert. Zusammen mit der Notwendigkeit, weiterer Forschungen im Rahmen der modernen Validierung (Wirksamkeit) der klassischen chinesischen Medizin.

Schlüsselwörter

Herz, Mitgefühl, Absicht, spiritueller Dreh- und Angelpunkt, therapeutisch Beziehung, Akupunktur, Energieaustausch, Biofeld, elektromagnetisches Feld, Kohärenz, Bewegung, zwischenmenschlich Effekt, Synchronisation.

1. Einleitung

Abschnitt 1

Der Schwerpunkt dieser kritischen Literaturrecherche liegt auf der Rolle des Herzens in der Therapie mit Schwerpunkt aus der Perspektive des Akupunkteurs. Die Informationen stammen, unter anderem, aus den alten Texten der klassischen chinesischen Medizin als auch aus dem modernen wissenschaftlichen Verständnis des Herzens.

Der Begriff „klassisch“ im Titel bezeichnet einen Ansatz, der sich auf die chinesische Tradition und ihre daoistischen Wurzeln stützt, im Gegensatz zu der moderneren „Traditionellen chinesischen Medizin“, deren Schwerpunkt pragmatischer ist, basierend auf wissenschaftlichem Materialismus und Konfuzianismus. (Fruehauf, 2006).

Dieser Abschnitt bietet einen Überblick und eine kurze Beschreibung des Herzens aus der Sicht der klassischen chinesischen Medizin und der modernen Medizin.

In diesem Abschnitt werden auch die Einschluss- / Ausschlusskriterien aufgeführt.

Abschnitt 2

Dieser Abschnitt befasst sich mit der therapeutischen Rolle des Herzens des Arztes ( xin) während der Behandlung gemäß klassischer chinesischer Medizin.

Abschnitt 3

befasst sich mit der modernen Forschung auf zwischenmenschliche physiologische und psychologische Auswirkungen des elektromagnetischen Feldes (EM) des Herzens, mit Schwerpunkt auf deren möglichen therapeutischen Anwendungen.

Abschnitt 4

ist eine Diskussion und Reflexion über die Informationen aus den Abschnitten 2 und 3, um zu bestimmen, inwieweit das Wissen der Antike, welches durch die chinesischen Therapeuten aus ihrer Praxis und Intuition erworben wurde, mit der wissenschaftlichen Methode unterstützt werden kann.

Schließlich schließt Abschnitt 5 diese kritische Literaturübersicht ab.

Das Herz ( xin) hat in der klassischen chinesischen Medizin eine zentrale Bedeutung, wie aus der frühen Akupunkturliteratur hervorgeht. (circa 200 v. Chr.)

Eine der ältesten schriftlichen Quelle und der einzigartige Wissensschatz von Huang Di Nei Jing ist in dem Buch „ Der Gelbe Kaiser“ zusammengetragen worden. (黃帝內經 Der Gelbe Kaiser – Klassiker der Inneren Medizin).

Es setzt sich zusammen aus dem Su Wen ( Grundlegende Fragen) und Ling Shu (靈樞 Spiritueller Drehpunkt) (Birke und Filz, 1999; Lu, 2004; Unschuld, 1985).

Im Su Wen Kapitel 8, in dem die Organe aufgelistet sind, ist das Herz die Hauptposition und wird als „der Kaiser des ganzen Körpers“ beschrieben. (Larre und Rochat de la Vallée, 1985)

Diese herausragende Position ist zurückzuführen auf die Beziehung des Herzens zum Shen (), dem heiligen Licht, welches den Menschen mit dem spirituellen Aspekt des Universums beleuchtet und ihm Bewusstsein und Unterscheidungsvermögen gibt. (Fruehauf, 2012; Larre et al., 1986)

„Shen“ wurde von Maciocia (2005) als „der Geist eines Menschen“ übersetzt. Larre und Rochat de la Vallée übersetzen es als „Seele“ (1991b). Ling Shu Kapitel 71 erklärt die spirituelle Bedeutung des Herzens als Wohnsitz des „Shen“. (Larre und Rochat de la Vallée, 1991a; Lu, 2004).

Es ist wichtig zu klären, dass in der chinesischen Sprache das Zeichen für das Herz, (xin), sich auf seine physischen, aber noch wichtiger auf seine emotionalen und spirituellen Aspekte bezieht. (Jarrett, 1998; Rochat de la Vallée, 2009; Roth, 1999).

Die allgemeine Übersetzung des Herzens „xin“ bezieht sich auf den Kern des Menschen. Nicht aus organischer Sicht sondern als immateriellen und spirituellen Aspekt.

Das physischer Organ wirkt als ein Gefäß für das „Shen“ (Fruehauf, 2012). Kapitel 18 der Huainan Zi (淮南子 Die Meister / Philosophen von Huainan; geschrieben um 200 v. Chr. von Liu An, Prinz von Huainan) sagt, dass das Herz (xin) das ist, was sich von einem Punkt aus ins unendliche erstreckt. (Robinet, 1993)

Xin ist sowohl „Herz“ als auch „Verstand“ und eine untrennbare, miteinander verbundene Einheit. So kann Xin als die Verbindung „Herz-Verstand“ bezeichnet werden. (Birch, 2009a; Matsumoto und Birch, 1988).

Ganz allgemein werden Geist, Energie, Emotion und Körper in orientalischen Traditionen fast nie unterschieden. Trotzdem werden sie aber als Kontinuum angesehen. (Matsumoto und Birch, 1988).

Diese nicht-duale Sicht auf Geist und Materie ist zusammengefasst im buddhistischen „Herz-Sutra“, den wichtigsten Texten des Zen, als „Form ist Leere, Leere ist Form“. (Dalai Lama, 2005: 60).

In der westlichen Medizin wurde bis vor relativ kurzer Zeit das Herz lediglich als mechanische Pumpe für die Durchblutung betrachtet. Es wird aber jetzt auch als neurologisch, endokrin und Immunorgan angesehen, wie ausführlich von Pearsall (1998) und Loh (2008) diskutiert.

Die elektrische Aktivität des Herzens wurde seit dem 19. Jahrhundert untersucht und das Elektrokardiogramm (EKG) wurde erstmals 1887 verwendet. Die natürliche Entwicklung dieses Feldes der Forschung war es, das menschliche elektromagnetische Feld zu betrachten, zu dem das Herz den größten Beitrag leistet, als Teil des Biofeldes der Physiologieforschung. (Hammerschlag, 2012; Hintz et al., 2003; McCraty, 2003; Rubik 2002, 2005, 2008).

Dieser Artikel verwendet als Einschlusskriterium jeden Text (in Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch) das heißt:

  • entweder eine Übersetzung eines klassischen chinesischen Textes oder eines modernen Kommentars über die Bedeutung des Herzens in der chinesischen Medizin, so wie es für den Praktiker gilt und insbesondere speziell für Akupunkteure
  • eine Diskussion der modernen Forschung über zwischenmenschliche Auswirkungen des elektromagnetischen Feldes des Herzens

Die folgenden Ausschlusskriterien bestimmten die Studien, dir über den Rahmen dieser Überprüfung hinausgingen :

  • nicht übersetzte chinesische Texte, auch wenn die Zusammenfassung übersetzt ist
  • (keine erschien in der Literaturübersicht)
  • innere Kultivierung des Praktikers und mögliche Emission von Qi

   (zum Beispiel im medizinischen Qigong-Training) (Chen, 2004; Johnson, 2000)

  • Diskussionen über mögliche nicht lokale Auswirkungen von EM-Feldern oder Absichten

   (Tiller, 1993)

  • „limbische Resonanz“

   (Abstimmung auf den inneren emotionalen Zustand eines anderen – McTaggart, 2011)

  • Placebo-Effekt (Diebschlag, 2010)
  • Diskussionen über Herzpathologie
  • Erforschung der Auswirkungen des EM-Feldes des Herzens innerhalb einer Person

   (McCraty et al., 2009).

2. Die therapeutische Rolle des „Herz-Verstandes“ Konzeptes im praktizieren der klassischen chinesischen Medizin

Die Folgen der Verbindung mit dem Shen wurden bereits in den philosophischen Texten des Nei Ye diskutiert.  ( Inward Training; möglicherweise geschrieben im 5. Jahrhundert v. Chr. mit unklarer Urheberschaft), welches älter ist als die Su Wen. (Birke, 2009a; Roth, 1999)

Durch Selbstkultivierung kann man sein Qi und damit das Shen (das höchste) verfeinern. Die verfeinerte Form vom Qi befindet sich im Körper, so dass man davon profitiert. Shen Ming (神明 Göttliche Erleuchtung) (Puett, 2002).

Dadurch kann man die Funktionsweise des Universums verstehen und dass jede Veränderung aus der Qi-Transformationen entspringt, wodurch Wissen und Weisheit gewonnen wird und ein Einwirken über die Dinge, einschließlich der Menschen, vollzogen werden kann, denn auch sie bestehen aus Qi. (Puett, 2002)

Solch eine selbstkultivierte Person kann Veränderungen bewirken, ohne Energie zu verbrauchen (Roth, 1999).

Im Zhen Jiu Da Cheng heißt es, wenn der Geist des Arztes eine aufnahmefähige und akzeptierende Haltung gegenüber dem Patienten hat, ohne Verlangen oder Erwartungen, dann kann es zum „Shen“ werden ().

(Eine tiefe Verbindung zwischen Arzt und Patienten) (针灸 大成 Großes Kompendium von Akupunktur und Moxibustion 1601 von Yang zusammengestellt Jizhou, ein Arzt in der Ming-Dynastie, 1368-1644 und zitiert von Matsumoto und Birch (1988: 38)

Fruehauf (2012) erklärt, dass das „Xin“ () (Herz) nicht nur ein Empfänger für das Shen ist, sondern auch ein Übermittler dieser heiligen Gegenwart, die von der immateriell Ebene in den materiellen Bereich führt.

Shen Ming bedeutet, dass das Shen in unserer unmittelbaren Umgebung sichtbar wird. Das kann energetisch interpretiert werden, aber auch durch die Handlung der Sprache.

In der Tat regiert „Xin“ (das Herz) die Zungenspitze und drückt es mit Worten der Weisheit aus. (Fruehauf, 2012) Jenes entwickelt sich mit Selbstkultivierung und ist Teil der Ausbildung eines Heilers zum wahren Praktiker. Neben Berührung und Technik ist der Geist des Arztes ein wichtiger Gesichtspunkt in der Therapie. (Matsumoto und Birch, 1988).

Anders gesagt, der Praktizierende kann ein aufleuchten des Patienten mit seinem „Shen“ bewirken, sowohl energetisch als auch mit weisen Worten.

2.1. Haltung des Arztes

In den Texten von Sun Simiao’s (581-682 n. Chr.), übersetzt von Unschuld (1979), schrieb er, dass ein guter Arzt während der Behandlung geistig ruhig sein muss und eine feste Gesinnung haben sollte, ohne Wünsche oder Begierde.

Der Praktizierende müsse eine Haltung des Mitgefühls entwickeln und bereit sein, sich die Mühe zu machen, jedem Lebewesen helfen zu wollen. Der Weise (der nach dem Dao lebt) betrachtet Mitgefühl als Schatz und ist immer darauf bedacht, Lebewesen zu helfen und zu retten. Es ist daher für einen Akupunkteur von Vorteil, den Salbei als Modell zu nutzen.

(Strom, 2004, Abschnitte 27 und 67 des Dao De Jing – 道德 Der Klassiker von der Weg und die Tugend; möglicherweise im 5. Jahrhundert v. ursprünglich vom legendären Lao Zi)

Wenn das eigene Herz des Praktizierenden still ist, wird Vertrauen und Kontakt mit der Wahrheit im Herzen des Patienten hergestellt. Der Heiler setzt seinen Willen nicht durch sondern hilft den Patienten dabei von selbst zu transformieren. (Jarrett, 1998)

Dazu muss ein angemessenes Verhalten in der Arbeit (und allgemeiner im Alltag) durch die Praxis von „Xin Shu“ erlangt werden (心術 Die Kunst des Herzens). Das kultiviert Gelassenheit und führt zu „Xin Xu“ (心虚 Die Leere des Herzens) wo Wissen zur Weisheit wird. (Rochat de la Vallée, 2009).

Ein anderer Aspekt der angemessenen Einstellung des Praktikers ist beschrieben im Su Wen, Kapitel 25 und Kapitel 54: Die Hand, die die Nadel hält, sollte mit großer Konzentration und Kraft manövriert werden, als würde sie einen Tiger halten.

Der Akupunkteur sollte so wachsam und vorsichtig bleiben, als ob er am Rande eines Abgrunds stünde und sein eigenes Shen korrigieren müsste, um das Shen des Patient zu korrigieren. (Lu, 2004; Rossi, 2007).

Dies wird im Kapitel 9, Ling Shu, wiederholt, worin erklärt wird, dass der Arzt während des Nadelns seine Aufmerksamkeit nur auf den Akt des Nadelns halten sollte und nichts anderes. Als ob er an einem abgelegenen Ort zum Nachdenken wäre. (Lu, 2004)

Während der Behandlung sollte ein Praktiker eine klare Absicht haben. (Konzentration auf die therapeutische Funktion von Akupunkturpunkten) Andernfalls wird die Wirkung der Nadelung eine unklare Behandlungsstrategie mit unklaren Ergebnissen. (Yuen, 2005) Die Klarheit der Absicht wird auch durch die Ausrichtung mit dem „Shen“ gebracht, welches im folgenden Abschnitt besprochen wird.

2.2. Spirituelle Verbindung mit der Außenwelt

Guo Yuzeng (ein Arzt der östlichen Han-Dynastie, 25-220), zitiert von Lu (2004: 402) in seiner Übersetzung des Ling Shu, Kapitel 8, sagt, dass der Geist zwischen dem Herzen des Arztes und seiner Hand liegt.

Daher sollte er sich während der Akupunkturbehandlung auf seinen Geist konzentrieren. Einschließlich des Geistes des Patienten. Die innere Ausrichtung des Praktizierenden mit dem Himmel (spirituell – Entwicklung und Kultivierung von Tugend) ist verantwortlich für den Erfolg der Behandlung, weil es einen Kontext für die Heilung schafft, noch bevor die Nadeln eingeführt werden. (Jarrett, 1998)

Während der Behandlung kann der Arzt seine klare Absicht nutzen. Die Qualität der Anwesenheit der Aufmerksamkeit ist ebenso wichtig wie die ausgewählten Punkte oder die bereitgestellte Stimulation. Mit anderen Worten, der Praktiker kann sein Qi verwenden, um eine Veränderung des Qi’s des Patienten zu bewirken. (Schnyer et al., 2008).

Darüber hinaus kann durch die Kraft der Absicht des Praktikers die Energie durch die Akupunktur-Punkte gelenkt werden. Der Praktiker muss jedoch klar verstehen welche Punkte mit der eigenen Absicht zu tun haben und was dadurch der Energie des Patienten mitgeteilt wird. (Pirog, 1996)

Yi () bezieht sich auf die Absicht, ohne ein bestimmtes Ziel oder einen bestimmten Plan dafür zu Verwirklichung. Im Gegensatz zu Gedanken, die aktiv übersetzt werden als Aktion, zhi (), der Wille. (Matsumoto und Birke, sind 1988)

Mit dem Yi erweitert der Praktizierende sein Bewusstsein für die umgebende Energie. Darüber hinaus werden Absicht und Fokus stabilisiert, die von einer ausgewählten Behandlungsstrategie abhängen. Das bringt Klarheit in der Verbindung mit dem Shen (Houghton, 2010).

Die Wichtigkeit in der Anwendung ist, dass Akupunkturpunkte oft mehrere Funktionen haben und folglich unterschiedliche Wirkungen. Je nach Fokus und Geisteshaltung des Praktizierenden. Zusätzlich beschreibt Gardner-Abbate (1996), wie ein gegebener Punkt bei unterschiedlichen Anwendungen funktionieren kann.

Zum Beispiel können „luo-Connecting“ und „Yuan-Quell“ Punkte gekoppelter Meridiane in Kombinationen oder Nadelstilen verwendet werden, die sich in der englischen oder chinesische Traditionen unterscheiden, um die Energie des Meridians entweder zu tonisieren oder zu zerstreuen (und dem zugehörigen Organ), wobei jedoch klinisch unterschiedliche Strategien funktionieren.

Die Absicht des Praktizierenden wird auch von Hammer (1990) diskutiert. Er weist auf die Ähnlichkeit zwischen Psychologie und der Chinesischen Medizin hin:

„Der Heiler ist ein wesentlicher Faktor im Heilungsprozess.“

Ihre Absicht (sowohl bewusst als auch unbewusst) und ihre Lebenskraft sind Energien, die in der Lage sind, tiefgreifend mit den Energien des Patienten zu interagieren. Sie können sie zum Besseren beeinflussen oder zum Schlimmeren. (Hammer, 1990).

Lawson-Wood (1973), zitiert von Hammer (1990), stellte auch fest, dass der Geist des Praktizierenden, also seine Absicht, einen großen Einfluss auf die Qualität der Behandlung hat. Hammer (1990) betonte, dass der Arzt in der Diagnose objektiv bleibt und insbesondere über die Kunst der Beobachtung von Phänomenen verfügt, ohne sich dabei zu entfremden. (anders als westliche Ärzte, die oft über eine mangelnde Ausbildung ihrer Sinne verfügen, die meist auf kulturelle Voreingenommenheit zurückzuführen ist, zugunsten der „beruflichen Distanz“). Zusammen mit Nadeln und Kräutern, deren Energie als sinnvoller Bestandteil im Prozess der Heilung akzeptiert werden, insbesondere, wenn der Praktizierende zusätzlich seine Hände auf den Patient legt. Im Bezug auf die Heilung wird die Übertragung des Gefühls der Fürsorge vollzogen, welches eine Form der Liebe ist. Liebe ist letztendlich der größte Heiler und in einer solchen Beziehung sind der Arzt und der Patient gegenseitig genährt. (Hammer, 1990)

Schließlich gibt Fruehauf (2012) eine poetische Beschreibung von Xin als ein zentraler Altar mit den Funktionen der Verbindung mit dem Shen als Einheit zur Herstellung und Aufrechterhaltung. (durch das Gesetz der Verbindung von Mikro-und Makrokosmen und der gemeinschaftlichen Verbindung zu einer höheren Natur).

2.3. Spiritueller Dreh- und Angelpunkt

Birch (2009a) überprüfte die Übersetzungen von Ling Shu’s Kapitel 1, wo gesagt wird, dass das Shen oder der Verstand (das Herz ist die natürliche Verbindung zwischen den beiden Übersetzungen) des Praktikers sich auf die Nadelspitze konzentrieren sollte, um effektiv zu nadeln, was eine Wirkung des Geistes auf das Qi impliziert.

In ihrem Kommentar zu Ling Shu’s Kapitel 8 haben Larre und Rochat de la Vallée (1991b) erklärt, dass die Nadel wie ein Drehpunkt sein kann und die Kommunikation herstellt, damit die Einflüsse des Himmels (der spirituelle Aspekt des Lebens) den Patienten durchdringen können.

Das geistliche Shen, sind wie Boten, die den Einfluss des Himmels tragen. Sie sind Vermittler zwischen dem Himmel, dem Menschen und dem Zentrum.

Der Empfang dieser Einflüsse ist die Leere von Xin, dem HeartMind. Firebrace (1993), zitierte Blackwell et al. (1993), der sagte, das der Praktizierende ein gutes „Shen ming“ haben sollte (Ausstrahlung des geistlichen) als Katalysator bei der Behandlung.

Larre und Rochat de la Vallée (1991b) schlugen dann vor, dass die Verbindung des Shen’s zwischen dem Arzt und dem Patienten geschehen kann. Oder der Arzt selbst ein Drehpunkt, so wie die Nadel sein sollte, um das gestörte Gleichgewicht wiederherzustellen.

Der Zhen Jiu Da Cheng (oben erwähnt), zitiert von Matsumoto und Birch (1988: 38) erklärt, dass das „Xin“ des Arztes und das des Patienten in Harmonie sein sollte und somit der Bewegungen der Nadel folgt.

Somit bilden der Akupunkteur, der Patient und die Nadel eine synergetische Einheit, so dass der Heilungsprozess über das hinausgeht, als die bloße Tatsache des Nadelns. (White et al., 2008).

Für eine effektive Behandlung geht der Akupunkteur bis zum Ursprung des Lebens des Patienten, an dem Ort, an dem die Geister verwurzelt sind, um sie anzuziehen, damit sie den himmlischen Einfluss auf den Patienten hervorrufen.  (Larre und Rochat de la Vallée, 1992, 1995).

3. Überprüfung der Forschung über die zwischenmenschlichen Auswirkungen des menschlichen elektromagnetischen Feldes des Herzens.

3.1. Herz-Energie-Austausch

Das Herz erzeugt das stärkste elektromagnetische-Feld des Körpers (bis zu 100-mal stärker als das vom Gehirn produzierte) und kann ca. 3 Meter vom Körper entfernt gemessen werden. (McCraty et al., 1998; McCraty et al., 2012).

Pearsall (1998) stimmt dem zu, dass, wenn das Herz schlägt, es Energie erzeugt, die nicht in uns eingeschlossen ist und dadurch möglicherweise in der Lage ist, andere Herzen Signale zu senden. Darüber hinaus kann die zelluläre Regulation durch das elektromagnetische-Feld beeinflusst werden, da sie im gleichen Frequenzbereich wie das Herzfeld pulsieren. Daher ist es möglich, dass das Herz eines praktizierenden Akupunkteurs eine therapeutische Wirkung hat, indem es den Patienten über sein ausstrahlendes elektromagnetisches-Feld beeinflusst. (Oschman, 2003).

Dies ist von besonderer Bedeutung, da das Fehlen eines plausiblen Mechanismus zur Erklärung des natürlichen Energieaustauschs zwischen Menschen oder darüber, wie er den Heilungsprozess beeinflussen oder erleichtern könnte, einen großen Stolperstein für die Akzeptanz durch die  westliche Wissenschaft darstellt. (McCraty et al., 1998)

Infolgedessen wurde von Russek und Schwartz (1994) sowie McCraty et al. (1998) die Möglichkeit untersucht, dass Menschen über das elektromagnetische-Feld des Herzens Energie austauschen können. Der erste Schritt bestand darin, zu prüfen, wie sich ein externes elektromagnetische-Feld auf biologische Systeme auswirken kann, da das vom menschlichen Herzen abgestrahlte elektromagnetische-Feld theoretisch als zu schwach berechnet wurde. (Weaver und Astumian, 1990).

Die vorgeschlagenen zugrunde liegenden Mechanismen waren die zellulären Signalmittelungen. (wobei die Zellmembranen das elektromagnetische-Feld mittelt, wodurch das Rauschen reduziert wird – und die stochastische Resonanz, bei der das Rauschen innerhalb eines biologischen Systems von einem externen periodischen Signal mitgerissen wird). 

Beide Gruppen zeigten unabhängig voneinander, dass bei Berührung oder Nähe von Personen das EKG-Signal einer Person (der „Quelle“) bei einer anderen Person (dem „Empfänger“) auf der Körperoberfläche registriert wird. (einschließlich im Elektroenzephalogramm (EEG)) Dies zeigt einen Austausch von elektromagnetischer-Energie, die vom menschlichen Herzen erzeugt wird. (McTaggart, 2008)

Dies geschah in beide Richtungen. Die beiden Personen beeinflussen sich gegenseitig. Das EEG Signal des einen erkannte das EKG-Signal des Anderen – in etwa 30 Prozent der Probandenpaare. Ansonsten nur in eine Richtung, was auf einen unterschiedlichen Grad der Signalübertragung hinweist. In der Tat stellten Russek und Schwartz (1994) fest, dass Menschen, die eher daran gewöhnt sind, Liebe und Fürsorge zu empfangen, besser die Herzsignale anderer empfangen können. Dieser Energieaustausch spielt eine wichtige Rolle für Empathie und Sensibilität gegenüber anderen (McCraty, 2003).

Wenn eine Person eine positive Emotion wie aufrichtige Liebe oder Wertschätzung empfindet oder eine fürsorgliche Absicht hat, erhöht dies außerdem die Kohärenz (die periodische Natur) im Herzrhythmus (und damit im elektromagnetischen-Bereich) und bietet verschiedene gesundheitliche Vorteile, wie höhere Immunität, reduzierter Bluthochdruck oder weniger emotionale Störungen. Im Gegensatz dazu ist eine negative Emotion mit einem unregelmäßigeren Muster verbunden, wie in Abbildung 1 gezeigt. (McCraty et al., 2009; Rosch, 2009; Tiller, 1990)

In ihren Experimenten wiesen McCraty et al. (1998) ihre Probanden nicht an, eine bestimmte Absicht oder ein bestimmten Gefühlszustand zu erzeugen (vermutlich, um weniger Variablen in die anfängliche Studie einzuführen).  Die Übertragung der Herzenergie wurde festgestellt, wenn die Probanden Hände hielten (oder in unmittelbarer Nähe – etwa 45 cm), wie auf der rechten Seite von Abbildung 2 gezeigt. Jedoch nicht, wenn sie um einen Meter voneinander getrennt waren (Abbildung 2, linke Seite).  In Abbildung 2 sind Quelle und Empfänger die Probanden A bzw. B.

(es wurde kein Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt) (McCraty, 2003).

Russek und Schwartz (1994) beobachteten jedoch in ihren vorläufigen Ergebnissen den Energieaustausch zwischen Menschen (Herz-Gehirn und Herz-Herz) über einen Abstand der Probanden von bis zu einem Meter, wobei ihre Augen geschlossen waren und in keiner Weise kommunizierten. Weder taktil (über Berührungen) noch visuell oder über akustische Art und Weise.

Diese Diskrepanz bei den Erkennungen ist möglicherweise auf die oben genannten Gründe zurückzuführen (Variabilität der Quelle und des Empfängers) sowie die Dauer der Beobachtungszeit (die den Mittelwert des Signals und damit den Rauschpegel beeinflusst). Schließlich, durch Vergleich der Amplitude des übertragenen Signals, das in Handhalte- und berührungslosen Versuchen beobachtet wurde (zehnfache Amplitudenreduzierung bei letzterem Typ unter Berücksichtigung der Entfernung), gelangten McCraty et al. (1998) zu dem Schluss, dass die elektrische Leitung durch direkten Hautkontakt eine größere Rolle spielen als elektromagnetische-Strahlungen.  

(Der Vollständigkeit halber erwähnte McCraty (2003), dass anstelle einer abgestrahlten Welle, das Signal durch elektrische kapazitive Kopplung übertragen werden kann, aufgrund des möglichen Unterschieds zwischen Individuen).  

In jedem Fall stellt dieser beobachtete kardiale Energieaustausch einen plausiblen Mechanismus dar, wie eine Person die Anwesenheit einer anderen Person und sogar ihren emotionalen Zustand unabhängig von anderen Signalen wie der Körpersprache wahrnehmen kann. (McCraty et al., 2009)

Morris (2010) untersuchte dann die „kollektive Kohärenz“, das heißt, ob eine Gruppe von Menschen die darin geschult sind, ein hohen Zustand des kohärenten Herzfeldes zu erreichen (mit Schwerpunkt auf der Herzfrequenzvariabilität), die Kohärenz bei einer nicht geschulten Person zu erleichtern. Unter Verwendung von 15 geschulten „Sendern“ und ebenso vielen nicht geschulten „Empfängern“ umfasste die Studie eine Reihe von 148 – je 10-minütigen Versuchen. Jede Sitzung bestand aus einem Empfänger, der in unmittelbarer Nähe von drei Sendern saß und angewiesen wurde, alternativ ihre gezielte Fürsorge und ihr Mitgefühl auf den Empfänger zu richten oder sich auf ihre Kohärenztechnik zu konzentrieren, ohne auf den Empfänger zu achten.

Aufgrund der großen Variabilität der erreichten Kohärenz der Empfänger war es schwierig, signifikante Unterschiede festzustellen. Daher wurde eine übereinstimmende Vergleichsanalyse durchgeführt, aus der hervorgeht, dass die Empfänger in 47,3 Prozent der Fälle eine höhere Kohärenz erzielten. Ein weiteres Ergebnis war, dass sich die Absender auf das Erreichen konzentrierten.

Eine hohe Kohärenz selbst trug besser zur Erhöhung der Kohärenz des Empfängers bei, als wenn versucht wurde, den Prozess zu vereinfachen, sprich den Empfänger bewusst zu beeinflussen. Morris (2010) interpretierte diesen Befund als Hinweis darauf, dass der Versuch, unterstützende Energie zu lenken, tatsächlich den Energietransfer stören kann.

Morris (2010) erklärte dann, dass auf Grund der Studien angenommen wurde, dass die Sender das Herzfeld des Empfängers einseitig beeinflussen könnten. Die Sender-Empfänger-Schaltung scheint jedoch tatsächlich ein dynamischer Zweiwegekanal zu sein, der möglicherweise von beiden Parteien beeinflusst wird.  Morris (2010) befragte die Teilnehmer, wie sie sich zueinander fühlten, und stellte fest, dass die Qualität und das Ausmaß ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen einen größeren Einfluss auf jede energetische Interaktion hatten als die Handlungen und die Absichten der Absender.

3.2. Zwischenmenschliche Herz-Hirn-Synchronisation

In weiteren berührungslosen Studien trennte McCraty (2003) die Probanden um eineinhalb Meter und forderte sie auf, einen positiven emotionalen Zustand aufrechtzuerhalten (ohne spezifische Absicht), um ein anhaltend kohärentes kardiales EM-Feld zu erzeugen.

McCraty (2003) zeigte, dass der Alpha-Wellen-Rhythmus des Empfängers (eine Art der oszillierenden elektrischen Spannungen des Gehirns) mit dem EKG-Muster der Quelle synchronisiert ist, jedoch nur, wenn der Empfänger ein kohärentes Feld beibehält, was der Grund dafür sein könnte, empfindlicher auf andere Herzsignale zu reagieren, wie oben diskutiert. (Russek und Schwartz, 1994; Tiller, 1990)

McCraty (2003) hob die Bedeutung dieser zwischenmenschlichen, berührungslosen Herz-Hirn-Synchronisation hervor, da sie möglicherweise eine Rolle im nonverbalen Aspekt therapeutischer Interaktionen spielt. (durch Förderung einer tieferen Beziehung und Empathie)

Er ging jedoch nicht auf die Bedeutung der Synchronisation ein, die bei dieser bestimmten Art von Gehirnwellen auftritt. Oschmann (2010) vermutete auch, dass das abgestrahlte elektromagnetische Feld der Quelle aufgrund seiner Fähigkeit ähnliche kohärente Rhythmen in dem Gewebe des Empfängers synchronisiert und somit Heilkraft haben könnte.

Die in den Abschnitten 3.1 und 3.2 berichteten Ergebnisse von McCraty (2003), McCraty et al. (1998) sowie Russek und Schwartz (1994) stammen aus ausgewählten repräsentativen Beispielen, die eher als Proof of Concept als als statistische Analyse zu betrachten sind. Es gab keine Diskussion über den ausgewählten Grad der Verbindung und darüber, ob eine Randomisierung verwendet wurde.

3.3. Zwischenmenschliche Herz-Herz-Synchronisation

McCraty (2003) berichtete auch über anekdotische Hinweise auf eine Herzrhythmus-Mitnahme (Synchronisation) zwischen Personen, die in einer engen Beziehung zueinander stehen und sich darauf konzentrierten, das Gefühle von Wertschätzung für einander zu erzeugen. Die Probanden waren etwa einen Meter voneinander entfernt. Eine intermittierende Herzfrequenzsynchronisation wurde auch während des Schlafes bei Paaren beobachtet, die in einer langfristig stabilen und liebevollen Beziehungen sind. (McCraty 2003)

Anschließend und unabhängig untersuchte Bair (2006, 2008) die Herzfrequenzsynchronisation zwischen einem Heiler mit positiver Absicht und einem Teilnehmer. Die Gesamtstichprobengröße betrugen 91 Erwachsene, von denen 41 die Kontrollgruppe umfassten. Alle Teilnehmer kamen zu einer einstündigen Behandlung und lernten während der Sitzung, wie man eine Selbstentspannungstechnik anwendet, während sie für den tatsächlichen Fokus der Studie blind gehalten wurden. Puls und Atmung wurden vor und nach der Sitzung überprüft. Der Heiler wurde als Forscher vorgestellt und traf die gesamte Kontrollgruppe eine Stunde lang. Er blieb mehr als sechs Meter von den Teilnehmern entfernt und ohne besondere Absicht. Der Heiler traf dann eine Stunde lang einzelne Mitglieder der Interventionsgruppe und saß anderthalb Metern vom Teilnehmer entfernt (Entfernung bestimmt von McCratys (2003) Ergebnissen), wobei er sich auf eine Herzverbindung aus Mitgefühl und höchstem Wohl konzentrierte.

Bair (2006) fand heraus, dass der Heiler-Effekt bei der Synchronisation der Heiler- / Teilnehmer-Herzfrequenz bei den Interventionspersonen sichtbar war, was bei den Kontrollpersonen nicht auftrat. Während vor der Sitzung keine signifikante Korrelation bestand, hatten 60 Prozent der Interventionsgruppe unmittelbar nach der Behandlung Herzfrequenzen innerhalb von ± 2 Schlägen pro Minute, genau wie der Heiler.

Pearsons r-Analyse (ein Maß für die Korrelation) besagte, dass die Heiler- und Teilnehmerherzfrequenz 0,671 betrug (P ≤ 0,001, daher statistisch signifikant), was auf eine starke Korrelation hinweist. Der Heiler-Effekt zeigte sich auch in einem höheren Grad an berichteten (daher subjektiven) Gesundheitsverbesserungen in der Interventionsgruppe (verringerte Belastung in Bezug auf das Problem, für das sie behandelt wurden).

Bair (2008) erklärte, dass Herzfrequenzsynchronisation eine Resonanzmitnahme impliziert (möglich, weil das Herz-elektromagnetische-Feld des Heilers kohärent ist) mit der Möglichkeit der Übertragung von Informationen oder Regulierungen zwischen Heiler und Teilnehmer (bestätigt durch die gemeldete Gesundheitsverbesserung), obwohl sie auf einem Energieniveau unterhalb des Schwellenwerts des Bewusstseins auftreten kann.

Morris (2010) beobachtete auch eine Herzfrequenzsynchronisation zwischen den Teilnehmern seiner Studie „Kollektive Kohärenz“ (Abschnitt 3.1) mit insgesamt 870 Beobachtungen der Herzfrequenz zwischen den Probanden. Von den Probandenpaaren zeigten 37,9 Prozent eine statistisch signifikante Korrelation von Null (Pearson’s r> 0,062 bei P ≤ 0,05 angesichts der großen Anzahl von Daten: 2400 Proben in einer zehnminütigen Zeitreihe). Interessanterweise wurde festgestellt, dass höhere Niveaus der Herzfrequenzsynchronisation mit höheren Kohärenzniveaus (der Herzfrequenzvariabilität) korrelieren.

4. Diskussion

Schnyer et al. (2008) erkannten, dass die Interaktionen zwischen Patient und Arzt eine Form physiologischer Übereinstimmung aufweist. Außerdem erkannten sie, dass es einen Zusammenhang zwischen gleichzeitigen Änderungen der physiologischen Maßnahmen (wie Herzfrequenz, Hautleitfähigkeit, Blutdruck, Atemfrequenz usw.) gibt, die dem Patienten und Arzt, den Zugang zum durch Akupunktur aktivierten Signalsystem ermöglichen. Sie gaben auch an, dass experimentelle Beweise noch nicht vorliegen.

In Anbetracht von Abschnitt 3 hat die moderne Forschung jedoch begonnen, solche Beweise zu liefern.  McCraty (2003) erklärte, dass ein Praktizierender mit vom Herzen kommenden positiven Emotionen und Einstellungen ein kohärenteres Herzfeld hat (dem der Patient ausgesetzt ist), was den nonverbalen Aspekt der therapeutischen Interaktion verbessern und möglicherweise auch das des Patienten positiv beeinflussen kann, welches die Physiologie und Empfänglichkeit für die Behandlung verstärken würde. Diese letzte Aussage wurde von Bair (2006) untersucht, der über Ergebnisse von reduzierten Belastungsniveaus berichtete (siehe Abschnitt 3.3), was bedeutet, dass mehr als nur eine Synchronisation stattfindet.

Wie Birch (2009b) hervorhob, findet der kardiale Energieaustausch statt und kann Änderungen im elektromagnetischen-Feld des Patienten auslösen (über die EM-Felder von Herz und Gehirn), da eine Akupunkturbehandlung eine Berührung des Patienten durch den Arzt beinhaltet. Der Effekt würde darin bestehen, vorteilhafte physiologische Effekte zu induzieren oder zu verstärken, die durch eine Erhöhung der Herzfeldkohärenz des Patienten hervorgerufen werden. Diese moderne Sichtweise der Verknüpfung durch ein kohärentes Herzfeld entspricht der Empfehlung des 17. Jahrhunderts, die in dem von Matsumoto und Birch (1988: 38) zitierten Zhen Jiu Da Cheng (erwähnt in Abschnitt 2.3) gegeben wurde, dass das Xin (der Herz-Verstand) von Arzt und Patient nach den Bewegungen der Nadel eben und in Harmonie sein sollten.

Interessanterweise sind die in der Akupunktur verwendeten Nadeln metallisch und als solche leiten sie Elektrizität, während sie vom umgebenden elektromagnetischen-Feld beeinflusst werden.  Wenn eine Nadel an der Stelle eines Akupunkturpunkts eingeführt wird, beeinflusst dies den elektrischen Strom, der im entsprechenden Meridian fließt (Becker und Selden, 1985).  

Daher kann die Wirkung des kohärenten Herzfeldes des Arztes auf den Patienten durch die Nadel fokussiert werden. Diese Idee steht im Einklang mit dem Konzept des „Ling Shu“ (siehe Abschnitt 2.3), bei dem das Shen zwischen Arzt und Patienten passiert.

Sowohl im klassischen chinesischen als auch im modernen Ansatz ist die Absicht oder der mentale Fokus des Praktizierenden ein wichtiger Faktor, der die Wirkung des Herzens moduliert. In der Tat kann die mitfühlende Absicht eines Heilers zu einer zwischenmenschlichen berührungslosen Synchronisation von Herz und Gehirn führen, wie McCraty (2003) (Abschnitt 3.2) sowie die Herzfrequenz (Bair 2006) (Abschnitt 3.3) zeigt.

Morris (2010) beobachtete auch die Synchronisation der Herzfrequenz in seiner Studie „Kollektive Kohärenz“ (Abschnitt 3.1), die die Möglichkeit für das eröffnete, was er als „Herz-zu-Herz-Biokommunikation“ bezeichnet (Morris 2010: 72). Deshalb ist emotionales Einfühlungsvermögen zu üben, für beide Seiten von Vorteil, da Gedanken und Emotionen wahrscheinlich die qualitativen Aspekte der energetischen Interaktion zwischen Menschen beeinflussen. Dies steht im Einklang mit Pearsall Aussage (1998), dass ein Patient durch das Vorhandensein von „heilenden liebenden Herzen“ geheilt wird und nicht nur durch die Handlungen des medizinischen Personals.

Morris (2010) erklärte jedoch, dass es aufgrund seiner Ergebnisse am besten ist, nicht zu versuchen, anderen einen bestimmten emotionalen Zustand aufzuzwingen, da energetische Interaktionen eher behindern, weil der Geist dann relativ zum Herzen überfordert wird.  Mit anderen Worten, persönliche Kohärenz scheint die beste Grundlage zu sein, um kollektive Kohärenz zu schaffen. Dies wird durch die Ergebnisse eines soziologischen Großprojekts (5.124 Teilnehmer) unter Verwendung von Daten der Framingham-Herzstudie gestützt:

Ein glücklicher Nachbar erhöht die Glückswahrscheinlichkeit um 34 Prozent und ein glücklicher Freund, der innerhalb einer Meile lebt um 25 Prozent. (Dieser Effekt nimmt mit der Zeit und der geografischen Trennung ab). Dies impliziert, dass Glück ebenso wie Gesundheit als kollektives Phänomen angesehen werden sollte, da das Glück der Menschen vom Glück anderer abhängt, mit denen sie verbunden sind (Fowler und Christakis, 2008; McTaggart, 2011).

5. Schlussfolgerung

Die jüngsten Forschungsergebnisse von McCraty et al. (1998, 2005, 2009), Russek und Schwartz (1994), Bair (2006) und Morris (2010) zeigen, dass das Herz des Arztes eine Rolle bei der Heilung spielt. Insbesondere der beobachtete kardiale Energieaustausch und die zwischenmenschliche Synchronisation entsprechen der klassischen Beschreibung der chinesischen Medizin, die besagt, dass das angemessenen Verhalten des Arztes und die Akupunkturnadel, die als Verbindung und Fokus der Energie dient, auf den Patienten übergeht. Diese vorläufigen Ergebnisse erfordern weitere Untersuchungen damit sich eine größere öffentliche Akzeptanz der chinesischen Medizin bilden kann.

Diese Forschung sollte letztendlich der Gesundheit der Patienten zugute kommen, daher das zunehmende Interesse an diesem Thema. Allmählich fragen sich immer mehr westliche Ärzte, ob die subtile bioelektromagnetische Energie zur Verbesserung der Gesundheit genutzt werden kann (Rosch 2009).  Die in dieser Übersicht berichteten Ergebnisse zeigen bereits, wie wichtig ein patientenzentrierter und kein krankheitszentrierter Behandlungsansatz ist (Jones 2010).  Mit anderen Worten, westlich ausgebildete Kliniker sollten sich von der Rolle der „Heilung von Krankheiten durch moderne Wissenschaft“ zu ihrer traditionellen Rolle als „Heiler der Kranken“ entwickeln und eine „Heilungspartnerschaft“ mit dem Patienten eingehen.

(Jones et al., 2010)  : 72)

Dies wurde sorgfältig geprüft, beispielsweise von Miller et al. (2009), die den Placebo-Effekt als eine Form der zwischenmenschlichen Heilung charakterisierten, anstatt ein Überbegriff für jeden nicht verstandenen Effekt. (wie EM-Feld, Überzeugungen oder Beziehungen zu sein Diebschlag, 1993). Daher hat die Intension des Arztes wichtige Auswirkungen auf die Behandlung, da sie sowohl die Klarheit der Absicht als auch die Fähigkeit verbessert, die energetische Kohärenz trotz des Einflusses des Patienten aufrechtzuerhalten (Diebschlag, 2010).

Schließlich hat die therapeutische Beziehung während einer Akupunkturbehandlung sowohl spezifische als auch unspezifische Aspekte. Der Aufbau von Beziehungen mit Mitgefühl (Erhöhung der Herzkohärenz) und Kommunikation, um Empathie zu erzeugen, kann als unspezifisch angesehen werden. Mindestens die beiden folgenden Aspekte sind jedoch spezifisch für die Akupunktur:

1. Die Tatsache, dass die Nadel als Drehpunkt fungiert, um die Absicht des Arztes zu fokussieren;

2. Die palpatorische Diagnose zur Identifizierung von Punkten kann eine therapeutisch aktive Komponente haben (MacPherson et al., 2006; Schnyer et al., 2008; White et al., 2008).  Beide Aspekte stimmen mit den Beobachtungen überein, dass der kardiale Energietransfer größer ist, wenn Menschen in direktem Kontakt stehen und unterstreichen die therapeutische Rolle des Herzens des Arztes.

Danksagung

Dieser Artikel war Teil eines BSc-Projekts für das International College of Oriental Medicine, das von der University of Greenwich validiert wurde.  Besonderer Dank geht an Francesca Diebschlag für ihre nachdenklichen Kommentare.