„Das Herz weiß einfach – ohne jeden Erkenntnisprozess, ohne jedes Argument.

Woher weißt du, dass die Rose schön ist? Ist es eine logische Schlussfolgerung? Wenn du die Logik ins Spiel bringst, kannst du nicht beweisen, dass die Rose schön ist, denn mit Logik kann man das Phänomen der Schönheit nicht ergründen.

Wenn du sagst, dass die Rose schön ist, funktionierst du aus deinem Herzen. Wenn du sagst, dass du von dem Sternenhimmel überwältigt bist, ist das keine rationale Aussage. Wenn du gezwungen wärst, es logisch zu beweisen, wärst du in der Klemme. Dann würde dir plötzlich klar werden, dass dein Herz gesprochen hat.

Der Kopf ist nicht fähig zu verstehen, wie das Herz funktioniert. Hingegen hat das Herz mit dem Kopf nicht diese Schwierigkeiten, denn der Kopf ist oberflächlich, während dein Herz tief in dein Inneres reicht. Das Niedrigere kann das Höhere nicht verstehen, aber das Höhere kann das Niedrigere ganz leicht verstehen, dazu bedarf es keines Nachdenkens.

Eine kleine sinnbildliche Geschichte dazu über Frau Einstein, die Ehefrau Albert Einsteins. Sie war eine Dichterin, und Albert Einstein ein großer wissenschaftlicher Denker jener Zeit. Natürlich wollte Frau Einstein ihrem Mann gerne ihre Gedichte zeigen. Doch Einstein vermied das Thema, wo er nur konnte, aber schließlich, eines Nachts, als der Vollmond am Himmel stand, konnte Frau Einstein der Versuchung nicht widerstehen. Sie hatte ein schönes Gedicht über den Vollmond geschrieben und das trug sie nun vor.

Albert Einstein sah sie ganz perplex, geradezu schockiert an. Sie verstand das nicht: >>Warum sieht er mich so seltsam an? Er kann höchstens finden, dass das Gedicht nicht besonderes gut ist… aber er sieht mich an, als wäre ich verrückt.<<

Als sie mit dem Aufsagen des Gedichtes zu Ende war, fragte sie Albert Einstein : >> Wie findest du es?<<

Er sagte : >>Ich hätte nie gedacht, dass du verrückt bist! Du sagst, der Mond sei schön, du sagst, der Mond erinnere dich an deinen Geliebten. Das ist blanker Unsinn! Der Mond ist viel zu groß, um für deinen Geliebten zu stehen. Und außerdem ist der Mond überhaupt nicht schön! Er ist so gewöhnlich wie die Erde, ja noch gewöhnlicher, denn es gibt dort kein Grün, kein Wasser, nur öde Wüste. Und das Licht, das du von ihm reflektiert siehst, ist nicht einmal sein eigenes. Das Licht holt er sich von der Sonne, es stammt nicht vom Mond. Ich habe immer gedacht, du seist gebildet, aber du kennst ja nicht einmal das ABC der Physik.“

Diese kleine Geschichte, aus dem Buch der Frauen von Osho, soll keine Wertung darüber sein, ob das Herz oder der Kopf wichtiger ist. Viel mehr weisst es auf die Unterschiede hin und stellt die Frage in den Raum, wie Kopf und Herz zusammen finden können!?

Durch Einseitigkeiten entstehen Missverständnisse, wie wir in der heutigen Welt wahrnehmen können. Statt aufeinander zuzugehen, bewegen wir uns voneinander weg.

In allen Fragen des Lebens geht es nicht um Mann oder Frau, um Ost oder West, um Schwarz oder Weiß. So eine Frage wäre von Anfang an falsch gestellt.

Die wirkliche Frage lautet, wie sich Kopf und Herz so sehr voneinander entfernen konnten und wie wir es schaffen, dass es zwischen Kopf und Herz zu einer Verbindung – statt zu einer Feindschaft – kommt.

Die Welt wird eine andere sein, wenn wir beginnen, diese Verbindung in uns selbst wieder zu ergründen.